Es ist 6.30 Uhr morgens. Im Bademantel starte ich die Kaffeemaschine und wuenschte ich koennte nochmal ins warme Bett kriechen. Draussen ist es noch dunkel. Man hoert den Regen aufs Dach trommeln. Wie jeden Morgen trage ich meinen roten Laptop zum Kuechentisch und schalte ihn ein. Zuerst die Nachrichten lesen, dann E-Mails checken, einen Blick in Facebook und dann lausche ich dem Verkehrsdienst auf Radio FFN. Man koennte meinen, es sei ein ganz normaler Morgen in einem Haus in Niedersachsen. Doch diese Szene spielt in einem Vorort von Los Angeles.
Unglaubig schuettele ich den Kopf. Lebe ich wirklich schon seit 13 Jahren in den USA? Ich denke an den Fortschritt der Technik und die Masse von Faxen, die damals ueber den Atlantik geschickt wurden, um von allen kleinen und grossen Abenteuern zu berichten, die mir hier wiederfahren sind. Mittlerweile hat sich der Kulturschock aufs Minimale reduziert. Aber ab und zu habe ich doch einen "deutschen" Moment in dem mir die Unterschiede der beiden Weltmaechte auffallen.
Den 5-minuetigen Schulweg der Kinder fahren wir natuerlich mit dem Auto. Laut Meteorologen hat in L.A. der schwerste Sturm seit 1998 seinen Einzug erhalten. Die Strassen sind teilweise ueberschwemmt. Fortgespuelte Sandsaecke oder Muelltonnen haben an einer Biegung Halt gefunden. Von jedem dritten Baum ist ein Riesenast abgebrochen, der nun die halbe Strasse blockiert. So geht es heute im Slalom zur Schule. Mein 9-Jaehriger beschwert sich ueber das Wetter. "Mama, warum ist es so windig?" Ich muss mich zusammenreissen, um ihm nicht ausfuehrlich zu erklaeren, dass es an der einziehenden Kaltfront liegt, wie ich es in meinem Meteorologie-Kurs an der Uni gelernt habe. Wie viele Regentage er in seinem Leben wohl gesehen hat? 10 oder 15?
Mit einem Kuesschen verabschiede ich mich von beiden Kindern, als sie in die Aula marschieren, wo man sich an Regentagen morgens versammelt. Auf dem 2-minuetigen Rueckweg zum Auto gruesse ich 12 der 500 Muetter und Vaeter, die ihre Kinder zur Schule begleiten. Wenn ich mich richtig erinnere, bin ich damals in Deutschland schon zur ersten Klasse alleine marschiert. Waren es frueher andere Zeiten oder lag es an der Kleinstadt, wo sich jeder kannte? Oder ist Paranoia die groesste Krankheit des 21. Jahrhunderts?
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